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Wir hatten mit Inga Land die Gelegenheit über :agile zu sprechen. Im zweiten Anlauf wollen wir mehr über Thorsten, den Geschäftsführer und Jurymitglied hören.

#SW_DUS: Du bist bei :agile sowas wie der Vordenker. Wie habt Ihr anfänglich das Thema Startup- Förderung in den Konzern getragen?

Thorsten: Wir haben uns von Anfang an ohne Limits allen Geschäftsideen geöffnet, sie ernst genommen und beantwortet. Wir haben verdeutlicht, dass es Ideen wie Sand am Meer gibt und letztendlich für die Umsetzungskraft die Leidenschaft entscheidend ist. So haben wir schnell Fahrt aufgenommen, bewusst das Risiko akzeptiert, dass ein Großteil der Ideen scheitert. Außerdem sind wir mit sehr viel positiver Energie und Beharrlichkeit vorgegangen. Wir haben viele Themen einfach entschieden, umgesetzt und uns ggf. später auch mal entschuldigt.

#SW_DUS: Wie war dein persönlicher Werdegang zum Thema Gründung?

Thorsten: Ich habe viele Jahre operativ gearbeitet, in den großen Konzern die Spielregeln verstanden. Dann habe ich gelernt, strategisch zu denken und häufig zu viele Powerpoints produziert. Irgendwann habe ich realisiert, dass sich Vorschläge für Ideen und Innovation besser diskutieren lassen als Absichtserklärungen und strategische Ziele. Bei Desertec habe ich gelernt, wie ein gutes Stakeholder- Management hilft Ideen durchzusetzen, umzusetzen und voran zu treiben (auch wenn der Erfolg am Ende dort aus anderen Gründen ausblieb). Enorm wichtig ist persönliche Überzeugungskraft und das gezielte Senden von Botschaften – schlichtweg story-telling. Glaubwürdigkeit und Vertrauen schafft man, wenn man am Ende einhält, was man zugesagt hat und Fehler offen eingesteht. So funktionieren auch Startups. Eine gute Story überzeugend vorgetragen, wird Investoren immer überzeugen erstes Geld für einen proof- of- concept bereitzustellen. Und dann heißt es, das Versprochene zu liefern oder sich eingestehen müssen, dass es nicht klappt. Eigentlich ganz einfach und manchmal halt ernüchternd.

#SW_DUS: Was ist für dich das heißeste Startup der letzten Jahre?

Thorsten: Spotify – es revolutioniert die Musikindustrie, die gesamte Medienindustrie und unser eigenes Musik-Konsumverhalten. Und ist dabei enorm werthaltig. Wahnsinn.

#SW_DUS: Welche drei Eigenschaften hat für dich ein echter Gründer?

Thorsten: Er ist mit 100% Leidenschaft und Überzeugung bei seiner Idee. Er ist bereit mit einem schlagkräftigen Team zu arbeiten. Er hat Traction, d.h. kann seine Kräfte in gezielte Aktionen umsetzen und enorme Geschwindigkeit halten.

#SW_DUS: Glaubst du die Kompetenzen eines Gründers können erlernt werden und wenn ja welche Schule des Lebens würdest du empfehlen?

Thorsten: Ja, man kann das erlernen. Grundvoraussetzung ist allerdings Neugier und eine gewisse – auch monetäre – Erfolgsgier. Die Schule ist man selbst von Kindheit an. Schon als Kind erlernen wir zu testen. Wenn wir Erfolg haben, machen wir mehr davon. Wenn wir auf die Nase fallen, machen wir es anders oder nicht mehr – jedenfalls im Normalfall. Als Gründer müssen wir vieles anfangen und testen, Misserfolge hinnehmen und lernen. Diese Mentalität kann man insofern über die Zeit erlernen.

Ingo Stefes