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Reutlingen als die stille Wiege der Start-ups

Wenn man das Ortseingangschild von Reutlingen passiert, weht einem nicht unbedingt der Wind einer aufregenden Start-up Szene entgegen. Die an die schwäbische Alb gekuschelte Großstadt ist gemütlich, ordentlich und strukturiert. Die Zeit bezeichnete sie als Stadt aus ehrlichem Beton und anständigen Asphalt. Doch das ist uns ein wenig oberflächlich. Wie auf den Trampolins vor dem Tübinger Tor wagen wir einen Sprung und schauen hinter die Mauern. Dort verbirgt sich viel: Kreativität, ein starkes Netzwerk, und Mut zum Großen.

Reutlingen ist ein Ort, der sich auch immer wieder neu erfand . Friedrich List trieb schon im 19. Jahrhundert Zollunion und Eisenbahnnetz voran und auf dem Platz, wo jetzt die Stadthalle steht, lernten sich Daimler und Maybach kennen. Den Strukturwandel von der Textilindustrie hin zu Elektrotechnik und Life Science hat man erfolgreich gemeistert. So sitzt zum Beispiel im schönen Backsteingebäude von ehemals Gminder heute die Zentrale des Geschäftsbereichs für Automobilelektronik der Robert Bosch GmbH und brütet Erfindung nach Erfindung aus (ABS, ESP und auch e-bike Elektronik).

Darauf ausgeruht hat sich die Stadt aber nicht. Sie weist eine hervorragende Hochschule vor und der Interkommunale Technologiepark mit der Nachbarstadt Tübingen hat sich zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt.. Hier finden Unternehmen Platz, die sich auch vor der Konkurrenz im Silicon Valley nicht verstecken müssen. Ein Beispiel ist das Unternehmen Luxflux, das handliche Spektrometer anbietet, um absolut gleich aussehende Kunststoffe zu unterscheiden. Das machen sonst noch Konkurrenten in Tel Aviv oder den USA. 

Dies hat die Stadt sicherlich auch der unermüdlichen Arbeit der Gründerförderung und Technologieförderung der Städte Reutlingen und Tübingen zu verdanken. Im Verbund mit Industrie- und Handelskammer und Handwerkskammer findet jeder angehende Unternehmer den richtigen Ansprechpartner und die passende Förderung. Wenn man in das Büro von Markus Flammer, Leiter der Wirtschaftsförderung, tritt, findet man jedenfalls an jeder Ecke Materialien über die spannenden Unternehmen der Region. Und ein nettes Gespräch bekommt man noch dazu.

Gesellig ist die Reutlinger Gründerszene auch. Sei es zum Gründergrillen, -frühstück oder -brunch. Für jeden Biorhythmus ist ist etwas dabei. Und ja, die Reutlinger essen gern! Das sieht man auch an den Food Start-ups. Wer hier ist, sollte sich einen tollen Wrap bei Wräp & Co gönnen. Auch ein Biss in die Maultasche von Running Mhh ist einen Versuc wert  . Denn schwäbisches Essen gibt auch tolles Fast Food!

Ja, Reutlingen ist Beton und Asphalt. Reutlingen brüllt nicht laut. Start-ups hier brauchen kein Konfetti und Tamtam. Sie machen es einfach, und das richtig gut!

 

Luise Brandt